Dauerbad in süffigem Orchesterklang - OVB. 29 Juli 2014

Dauerbad in süffigem Orchesterklang


Dieses Konzert-Programm bei den Herrenchiemsee-Festspielen war wahrlich ein Wurf mit der Wurst nach der Speckseite: "Harold in Italien" von Hector Berlioz, Orchesterlieder von Richard Strauss sowie dessen "Rosenkavalier-Suite". Ein Reißer nach dem anderen, ein Dauerbad in süffigem Orchesterklang.

"The Sofia Symphonics" produzierten dabei einen hellen, harten Glanz, der besonders von den sehr guten Blechbläsern herrührte. Für die Strauss-Werke fehlte ein bisschen der leicht morbide, goldbronzierte Glanz. Aber das Orchester reagierte schnell und wendig und lieferte zielgenaue Attacken. Das wurde durch das technisch hervorragende Dirigat von Ljubka Biagioni auch erleichtert, die schöne und suggestive Figuren in die Luft zeichnete. Allerdings phrasierte das Orchester nicht immer frei genug, blieb bisweilen bloß exakt.

In "Harold in Italien", diesen poetischen Erinnerungen aus Berlioz' Wanderungen in den italienischen Abruzzen, nahm Ljubka Biagioni die Tempobezeichnungen in den Mittelteilen sehr wörtlich, so dass der Eindruck von Eile entstand, die Briganten-Orgie im Finale hätte, wiewohl der furiose Schluss seine Wirkung nicht verfehlte, noch orgiastischer sein können. Schön waren aber der verwehende Schluss im Pilgermarsch sowie der wiegende Rhythmus in der abendlichen Serenade. Am schönsten aber war der schwärmerisch-sonore und vollblütig-warme Ton der Solobratsche, gespielt von Yura Lee, die auch und gerade im Piano höchste Intensität erreichte.

Als erfahrene Operndirigentin widmete Ljubka Biagioni sich der "Rosenkavalier-Suite" mit liebevoller Präzision, ließ den ersten Walzer schön duftig beginnen und den späteren jodelnden und juchzenden Walzer fontänenartig aufschießen, die Rosen-Überreichungs-Szene hatte Spannung und der zündende Schluss ließ das Publikum aufjubeln.


OVB. 29 Juli 2014